idel vortragDurch ein kurzes Kennenlernen auf der Terra Madre während der weltgrößten Slow Food Messe in Turin, ergab sich unser Kontakt zu Anita Idel. Wir hatten die Ehre, sie auf unserem Campus zu einem Vortrag einladen zu dürfen.
Bei dem Vortrag im Café Chaos, dem Studentencafé an unserer Hochschule, ging es darum, welche Bedeutung Kühe, Büffel und andere Wiederkäuer für den Klimawandel wirklich haben und warum.

Anita Idel ist eine der Lead- Autoren des Weltagrarberichts, der die Rolle der Landwirtschaft global betrachtet und Lösungsansätze erarbeitet hat, wie die Weltbevölkerung nachhaltig ernährt werden kann.

Hier einige der von Anita Idel angesprochenen Punkte, die Widersprüche in der aktuellen Diskussion um die Klimaschädlichkeit von Kühen erkennen lassen:

  • Die Messdaten über die schlechte Futterverwertung der Kühe werden ausschließlich an der Fähigkeit der Kühe für die Verwertung von Getreide und anderen Futtermitteln gemessen. Kühe sind aber äußerst effiziente Grasverwerter, wenn sie artgerecht gehalten werden.
  • Weltweit sind 40% der globalen Flächen Grasland. Das sind 70% der landwirtschaft-lichen Nutzflächen. Auf diesen Flächen entstehen durch Photosynthese nicht nur das oberirdisch sichtbare Grün, sondern auch die Wurzeln. Die Wurzeln von heute sind sozusagen der Humus von morgen, der über 50 % Kohlenstoff (C) enthält. Würde man diese Flächen stattdessen umgraben, würde der im Humus gespeicherte Kohlenstoff aus dem beackerten früheren Weideland wieder als CO2 freigesetzt, und somit die Problematik der Klimaerwärmung weiter verschärft. Denn jede Tonne Humus entlastet die Atmosphäre um ca. 1,8 Tonnen CO2.

In der aktuellen Debatte wird gerne unterschlagen, dass Lachgas eine vielfach höhere Treibhauswirksamkeit aufweist (ca. 300-fache von CO2), als das bei Methan der Fall ist (ca. 25-fache von CO2), das Kühe natürlicherweise rülpsen. Lachgas-Produzenten sind die intensive Landwirtschaft mit der Nutzung von synthetischem Stickstoffdünger. Diese sind die eigentlichen Klima-Sünder in Bereich der Landwirtschaft. Sie verursachen nicht nur das besonders klimaschädliche Lachgas, sondern zerstören die Bodenfruchtbarkeit und belasten noch zusätzlich die Gewässer.

  • Auch wird gerne verschwiegen, dass Kühe, wie auch andere Wiederkäuer, besonders bei nährstoffarmen Böden oft die einzige nachhaltige Form von Landnutzung für die nicht ackerfähigen Böden darstellen. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Erosion der Böden. Würden diese beackert, wäre (Wind- und/oder Wasser-) Erosion die Folge.
  • Somit haben Kühe nach Anita Idel ihren negativen Ruf als Klima-Killer nicht verdient. Sie sind, artgerecht gehalten, globale Landschaftsgärtner.

Es war ein lebhafter Einblick in die weltweiten Zusammenhänge der Landwirtschaft, den uns Anita Idel vermittelt hat. Aus allen diesen Puzzle-Teilen ergeben sich dabei folgende

Schlussfolgerungen:
Um das eigentliche Problem, die Massentierhaltung und die intensive Landwirtschaft mit hoher Futtermittelproduktion anzugehen, besteht nach Anita Idel höchste Notwendigkeit, unseren Fleischkonsum drastisch zu reduzieren. Dies verbunden damit, dass -wenn man nicht gerade auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten möchte- diese aus möglichst nachhaltiger Produktion erworben werden.

Der Weltagrarbericht macht deutlich, dass es hier keine weiter wie bisher Option gibt, wenn eine nachhaltige Ernährungsversorgung für die Weltbevölkerung sichergestellt werden soll:

Wir brauchen ein anderes System für die Landwirtschaft. Eines, das regional angepasst ist, auf Vielfalt setzt und nachhaltig wirtschaftet. Eines, dem die Bodenfruchtbarkeit und die Versorgungssicherheit der zukünftigen Generationen nicht gleichgültig ist. Diese Vision verfolgt auch Slow Food.

Nach dem Vortrag gab es neben einer Verkostung mit regionalen Wurstspezialtäten und leckeren Dips eine Diskussionsrunde, in der Fragen zu der Thematik mit Anita Idel erörtert werden konnten.

Wer Interesse hat das Thema zu vertiefen, dem sei das von Anita Idel erschienene Buch empfohlen:

„Die Kuh ist kein Klima-Killer! Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können“ (erschienen im Metropolis-Verlag 2010)

Weitere Infos:
http://www.metropolis-verlag.de/Die-Kuh-ist-kein-Klima-Killer/820/book.do
http://www.weltagrarbericht.de/

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