Uns wurde eine große Ehre zu Teil: Carlo Petrini, der Gründer und Präsident der internationalen Slow Food Bewegung, stattete uns im Rahmen der Lesetour für sein neues Werk „Terra Madre“ einen Besuch ab.


Fotos von Svenja Zimmer

Das Programm startete um 11 Uhr mit einer Begrüßung durch den Präsidenten der Hochschule, Prof. Dr. Karim Khakzar. Danach sprach Carlo Petrini über das Thema Gastronomie. An dieser Stelle herzlichen Dank an Veronica Veneziano, welche trotz Erkältung übersetzte.

Was ist unter Gastronomie zu verstehen? Es geht dabei zum Beispiel um Fleischkonsum: sowohl die Deutschen als auch die Italiener verzehren pro Jahr und Kopf circa 100 kg Fleisch. Würden die Afrikaner genauso viel Fleisch verzehren wie in den Industrieländern, bräuchten wir eine zweite Erde um das dafür nötige Futtermittel anzubauen. Auch die Landwirtschaft gehört zur Gastronomie: durch die extensive und industrielle Landwirtschaft werden Böden unfruchtbar gemacht und das Grundwasser mit Nitrat und anderen Schadstoffen verseucht. Am Beispiel des Viktoriasees schilderte er eindrucksvoll wie durch marktwirtschaftlich orientierte Züchtung die Biodiversität der Arten minimiert und dadurch gefährdet wird. So gab es vor einigen Jahrzehnten, als der See noch von zahlreichen ortsansässigen Kleinbauern befischt wurde 300 verschiedenen Fischsorten im See. Heute fischen dort hauptsächlich große, industrielle Fischer, wodurch die Artenvielfalt und die Existenzgrundlage der Kleinbauern zerstört wurden. Und genau diese Fische finden wir in den Industrieländern in den Kühlregalen, zu aberwitzig kleinen Preisen. Auch zahlreiche andere Arten seien auf diese Weise verschwunden, Obst- und Gemüsesorten, Rinder, Esel. Die einzige Art, die nicht verschwindet, sei der Esel auf zwei Beinen.

Petrini zeigte uns damit die Reichweite des Themas Essen. Wir Verbraucher sollen nicht länger blind konsumieren, sondern bewusste Entscheidungen beim Einkaufen treffen, kritisch hinterfragen woher die Lebensmittel kommen, wer sie produziert hat und unter welchen Bedingungen sie entstanden sind, uns als aktiven Teil der Lebensmittelerzeugung verstehen. Damit können wir Einfluss nehmen und die Dinge zum Besseren wenden. Seine Forderung: Die Gastronomie muss zurück zur Regionalität! Wir müssen wieder die kleinbäuerliche Landwirtschaft fördern: auf Bauernmärkten einkaufen, regionale Sorten bevorzugen.

Besonders motivierend für uns Studierende war seine direkte Aufforderung an den Präsidenten unserer Hochschule, Prof. Dr. Khakzar: „Bieten Sie regionale Produkte in der Mensa an!“ Ursula Hudson, Vorstandsmitglied von Slow Food Deutschland, bekräftigte dieses Statement indem sie ihre Erfahrungen an einer Universität schilderte: Nichts könne das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Studenten so stärken wie ein hochwertiges und regionales Essen in der Mensa auf das man sich nach der Vorlesung freuen und gemeinsam mit den Komillitonen genießen kann. Prof. Dr. Khakzar meinte, die Hochschule sei auf dem direkten Weg dorthin. Mit dem Bau der neuen Mensa möchte man ein Angebot an regionalen und frischen Speisen für die Studierenden schaffen. Hört sich gut an!, finden wir und hoffen, dass es auch dazu kommt! Da sich unser Campus Convivium die Verbesserung des Mensaangebots als Ziel erklärt hat, werden wir das weiter verfolgen und eine Zusammenarbeit mit dem AStA anstreben, um eine Lobby für hochwertigeres und regionales Essen an der Hochschule zu schaffen.

Nach einer anschließenden Diskussionsrunde und Ansprachen von Prof. Dr. Burkhard Ahlert, welcher zusammen mit Prof. Dr. Christoph Klotter Faculty Advisor des Campus Conviviums ist, und Eva-Maria Endres, der Präsidentin des Campus Conviviums, konnten sich die rund 40 Gäste am Slow Food Buffet erfreuen mit regionalen Produkten von dem Biobäcker Christoph Gensler, der Safterei Elm, dem Kultur Café Ideal, dem Forellenhof Keidel, der Käserei der Fuchshöfe, regionalen Weinen, welche von Slow Food Deutschland bereitgestellt wurden, und zahlreichen mitgebrachten Speisen. Vielen Dank an dieser Stelle für die großzügige Unterstützung!

Alles in allem war der Besuch für uns in besonderer Weise motivierend auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumachen, sich für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur und für eine neue, bessere Esskultur einzusetzen.

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